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Nicht mehr ganz so aktuell

23. Dezember 2007: Weihnachten naht bedrohlich schnell. Irgendwie freue ich mich ja doch drauf, aber dann ist es doch Stress, selbst wenn man sich keinen macht. Na gut, das tolle Essen, aber das bringt dann hinterher als Bauchring wieder Probleme, jedenfalls zumindest meiner Frau. Aber im neuen Jahr freut mensch sich schnell wieder auf die nächsten Feiertage.
In der weiten Welt ist scheinbar auch Frieden. Die GDL verhandelt mit der Mehdorn-Bahn, die Hadsch ist ohne Störungen verlaufen, nicht mehr Gewaltverbrechen in Deutschlands Städten als sonst schon. Überall Frieden, nur kein Schnee in Mecklenburg. Bei uns gibt es ja morgen, seit ich denken kann, den klassischen Kartoffelsalat. Und ohne den wäre es nicht richtig Weihnachten. Tja, und da kann man nur hoffen, daß es 2008 aufwärts geht, wenigstens ein bißchen. Doch da werden die Backhäuser, die Merkels und die Becks schon was gegen machen. Und wahrscheinlich ist auch wieder nichts so farblos wie die grünen Roths. Ob es mal wieder ein satt-grünes Profil gibt?

10. Dezember 2007: So, der Urlaub ist wieder mal vorbei. 4 Wochen Südost-Asien und man weiß wieder, was man zu Hause für einen hohen Lebensstandard hat. Die Lebensqualitäts-Schere ist schon riesig weit geöffnet und die Augen zumachen bringt auch nichts. Sonst wird man später von den Völkerwanderungen der Neuzeit überrascht. Der Unterschied zwischen zwei benachbarten Ländern wie Vietnam und Kambodscha kann übrigens größer kaum sein, sogar phänotypisch.
Ansonsten aber in Deutschland wenig Neues. Müntefering liegt schon zu lange zurück, als daß man da noch was zu sagen sollte. Zu Ministerchen Scholz kann man nichts sagen, nur den Kopf schütteln. Aber wir bekommen halt die Regierung, die wir verdienen. Frau Merkel macht derweil auf Bali auf Show. Ist ja schon ganz gut, daß Ökologie jetzt auch zum Kleingeld der anderen Parteien gehört - nur werden Lippenbekenntnisse und Selbstverpflichtungen reichen? Wenn ich sehe, daß wohl 10 neue Steinkohlenkraftwerke in Deutschland gebaut werden sollen, dann wirkt das Glaubensbekenntnis von Kanzlerin Merkel wie Gotteslästerung - jedenfalls auf mich. Und ich weiß wovon ich rede.
Tja, und dann noch die medialen Berichte über Kindesmißhandlungen. Die Mißhandlungen sind ja schon fürchterlich genug, aber wenn es sich zeigt, daß da Ämter schlampen, wird es besonders fett. Ich vermute nur, daß hat es diese Grausamkeiten in der Vormedienzeit auch gegeben hat, genauso oft wie heute. Gut, nur, daß die Menschen aufmerksamer werden.

21. Oktober 2007: Es ist saukalt geworden. Aber es soll ja für die Jahreszeit normal sein. Aber egal, bald geht es in den Urlaub und da ist es warm. Ansonsten ist wenig los in der großen Politik. Die SPD-CDU-Koalition hat verstärkt durch die Linke-Stimmen in Schwerin ein Verbotsverfahren gegen die NPD beschlossen. Einfach Unfug. Zum einen haben sie aus dem letzten Versuch nichts gelernt - die NPD besteht zu erheblichen Teilen aus V-Männern. Und dann ist das auch sachlich falsch. Wenn ich mich nicht inhaltlich mit rechtsextremen Positionen auseinandersetze, dann nutzt kein Verbot etwas. Und da ist einen NPD sogar nützlich. Außerdem leben die Landtagsabgeordneten in der Illusion, daß eine überwältigende Mehrheit der Bevölkerung gegen rechte Positionen steht. Das ist Quatsch.
Eine Menge von CDU und selbst SPD-Wählern neigt zu Rassismus und Antisemitismus. Das merken die leider selbst nicht mal immer. Und auch im linken Lager von PDS-Linke und Grünen ist man dagegen nicht gefeit. Andererseits ist das auch ein Beleg dafür, daß das permanente Anrennen gegen Windmühlenflügel eher extremistische Freiräume läßt, denn verhindert. Es bedarf einer Normalisierung des Umgangs mit begriffen wie “Heimat”, “entartet”, “Rasse”, “Bonzen” u.a. Wer diese und ähnliche Begriffe von Rechten besetzt läßt, und allein deshalb nicht den Mut hat sich mit den Themen auseinander zu setzen, trägt Mitschuld. Es bringt uns keinen Schritt weiter, wenn wir bei der Betrachtung der Vertreibung nach 1945 aus den östlichen deutschen Gebieten immer gleich mit einem entschuldigenden “aber Hitler” reagieren. Verbrechen bleiben Verbrechen.

20. September 2007: Der Terror-Schäuble ist sehr krank und nun hat sich auch noch der Bundeswehr-Jung angesteckt. Frau Merkel wird als Psychotherapeutin jedoch nicht geeignet sein. Sie scheint den Virus auch schon in sich zu tragen.
Irgendwie ist der Zerfall der Politik in Deutschland schon beängstigend. Von ihm gehen größere Risiken aus, denn von den Terroristen. Ich habe nur den Verdacht, daß auch Neuwahlen nichts bringen. Wir brauchen eine Wende, wie schon 1989.

01. September 2007: In DDR-Zeiten haben wir den heutigen Tag als Weltfriedenstag betont. Geht aber offenbar nicht mehr, weil auch die Bundesrepublik gerade im Krieg gegen den Terrorismus steht. Das waren noch Zeiten, als deutsche Truppen nicht in die weite Welt hinaus durften. Helmut Kohl hat sich noch dran gehalten, Gerhard Schröder hat das mit Joschka Fischers Hilfe aufgeweicht und Angela Merkel hat es perfektioniert. Der Verteidigungsminister sollte der Ehrlichkeit halber wieder Kriegsminister heißen.
Schäuble hat sich auch immer noch nicht zu normalen Gedankengängen hinreißen lassen. Wie krank muß ein Gehirn sein, wenn es in Allem und Jedem nur noch einen potentiellen Verbrecher sieht. Es mag sein, daß der Innenminister nur wahltaktische Spielchen spielt, weil er weiß, daß er seine Ziele in der Großen Koalition sowieso nie durchbekommt - nur langfristig gesehen hofft er auf den Gewöhnungseffekt. Eingesperrt gehört er.
Und in MeckPomm immer noch die gleiche provinzielle Posse. Die Große Schweriner Koalition steht noch stiller als die rot-rote Regierung aus den letzten Wahlperioden. Das Gegrummel in Sachen Kreisgebiets- und Kommunalreform wird immer kurioser. Frau Kehler beschimpft das Verfassungsgericht, weil deren Urteil angeblich mehrere 100 Millionen gekostet hat - und sie begreift gar nicht, daß sie damit ja nur sagt, daß die Unfähigkeit und Arroganz des damaligen Kabinetts und der Koalition die Ursache für das vorgebliche finanzielle Desaster sind. Sie hat also selbst Mitschuld und sollte logischerweise schnell zurücktreten. Aber das begreifen die politischen Eliten ja nie.

29. Juli 2007: Die Pleite der Regierung in Sachen Kreisgebietsreform war zu erwarten, oder vielleicht auch nur zu erhoffen. Dennoch - in anderen Ländern sind Ministerpräsidenten schon für geringere Torheiten zurück getreten.
Was kann es an Kritik an einer Regierung Schlimmeres geben, als daß deren Arbeit am Willen der eigenen Wähler so vorbei geht, wie es in der mecklenburg-vorpommerschen "Provinz" passiert ist. Und das unter Kollaboration solcher hervorragender Provinzpolitiker wie Herrn Pastor Timm (SPD). Die verkrustete Riege dort in der Landeshauptstadt hat sicher jetzt noch nicht begriffen, daß "ihre" Arbeit so verrissen wurde.
Was soll das Gedröhne, daß jetzt viel Arbeit vor der Regierung liegt. Wieviel Arbeit in den Kommunen und Kreisen ist mit ihrer Machtarroganz schon zerstört worden. Ich würde sie nicht mehr arbeiten lassen, zumindest nicht mehr unter derselben Federführung.
Ach so, und dann ist da ja noch die linke PDS - das ist die Partei, die sich immer besonders bürgernah gibt. Die ist ganz still geworden in Sachen Provinzurteil. Zu Recht, denn bürgernah darf sich eine umnomenklarierte Partei nach diesem Debakel nicht mehr nennen - aber so richtig war sie das in den letzten vielen Jahren ja noch nie.

24. Juni 2007: Die Tage werden wieder kürzer. Am Wochenende habe ich mit Freunden und bekannten die Sommer- Sonnenwende begangen. Wir haben gegrillt, getrunken, Witze gemacht und uns wohl gefühlt. In der DDR war dies verpönt, war sogar als nazistische Tradition quasi verboten. Dabei hat diese Tradition eine viel ältere Quelle. Diese langen Abende verlockten zu Lebensfreude und Besinnung. Solche Tage sollten ideologiefrei sein oder es wieder werden - das muß links wie rechts begreifen.
Ansonsten ist das “Spiel mit Grenzen” Deutschland gegen Polen mit 0:3 für unsere Nachbarn ausgegangen. Im Streit um die EU-Verfassung -oder wie immer die jetzt heißt - hat sich das dickliche, polnische Zwillingspaar durchgesetzt. Für Frau Merkel eine herbe Niederlage. Aber das deutsch-polnische Verhältnis ist schon längere Zeit angefressen. Dabei sollte die, von der Mehrheit der Polen gewählte, ultrakonservative Führung Polens eher den Mund halten. Sie passt nicht in die EU. Wer auf seinem Territorium Foltergefängnisse für die USA bereit hält, hat wie Rumänien in einer demokratischen Völkergemeinschaft nichts zu suchen. Die Vorwürfe Polens in Sachen der Kriegsschuld Deutschlands bilden dabei quasi den Gipfel der Demagogie. Ist es die Angst davor, daß Polen das 1945 besetzte Gebiet der deutschen Vertriebenen und deren Nachfahren zurück geben muß? Warum ist das eigentlich ein Tabuthema? Ich finde es sowieso feige, daß keine deutsche Regierung bisher den Mut hatte, die Ungerechtigkeit zu Ende des 2. Weltkriegs und den Monaten danach zu thematisieren. Das befördert Rechtsextremismus und Unfrieden.

14. Juni 2007: Ich denke schon seit Tagen darüber nach, was ich mal Positives auf diese Seiten stellen kann. Das ist ganz schön schwer. Immer fallen einem nur die neuesten Blödeleien ein: Bundesverfassungsgerichtsurteile, Bundesverteidigungsminister begeht Verfassungsbruch, Ringstorff findet das G8-Treffen touristisch erfolgreich und Strandkörbe für werbewirksam. Wo soll ich bloß mal eine positiven Kommentar zur Tagespolitik hernehmen? Vielleicht die neuen Ladenöffnungszeiten. Stimmt, da bin ich eigentlich dafür. Es muß ja niemand aufmachen, er oder sie kann aber. Und es werden doch Arbeitsplätze entstehen - auch wenn die Gewerkschaft das nicht will.

10. Juni 2007: Der G8-Gipfel ist vorbei. Die Peinlichkeit hat ein Ende gefunden. Wegen einer reinen Politshow sind über 100 Millionen Euro vernichtet worden, fast 18000 Polizisten sinnlos umher gejagt worden und kamen Menschen zu Schaden. Und dann dieses magere, von Frau Merkel in Erklärungsnot hochgelobte Ergebnis der Konferenz. Wie weit lassen sich die Bundesbürger, und nicht nur diese, eigentlich noch verschaukeln oder genauer “verblöden”? Und dann diese geschickten Ablenkungsmanöver auf die gewaltbereiten Demonstranten. Wären die nicht gewesen, hätte es aus Heiligendamm nämlich nichts Wesentliches zu berichten gegeben. Man stelle sich vor niemand wäre zu den Protesten gekommen, es wäre nichts nachgeblieben vom G8-Gipfel. Es kann einen schütteln angesichts dieser Erkenntnis.
Irgendwie auch eine tolle Doppelmoral der Medien. Sie verdammen die Gewalt aus dem schwarzen Block, sind aber gerade auf diese Gewalt scharf. Und dann noch verwundert tun. Genau dies war doch zu erwarten gewesen. Und wenn nicht spontan Steine geflogen wären, dann hätten die in die Szene eingeschmuggelten V-Männer zur Freude dieses merkwürdigen Schäuble’s schon dafür gesorgt. Was eine verlogene Gesellschaft.
Irgendwie werde ich den Gedanken nicht mehr los, daß auch die Opposition in Berlin Bestandteil dieses Arrangements ist. Das was die Linke oder die Grünen an luftballonnigem Protest hinbekommen ist albern. Frau Claudia Roth schwadroniert in zunehmender Selbstbewunderung vor den Medien - Protest sah bei den Grünen vor 15 Jahren ganz anders aus. Vor Atommüll-Endlagern hatten ja zwischenzeitlich sogar die Minister die Front gewechselt. Es ist nicht mehr leicht ein Grüner zu sein.

24. Mai 2007: Es ist Frühling, Vollfrühling. Das ist die Jahreszeit, die mir am meisten liegt. Arbeit an der frischen Luft habe ich auch, was will ich mehr? Ich will eigentlich nur noch meine Freiheit behalten. Aber unter dem Deckmantel des G8-Gipfels plant ein kranker Minister die erhebliche Einschränkung der Demonstrationsfreiheit, organisiert den Überwachungsstaat und nimmt sogar in Stasi-Manier Geruchsproben von politischen Gegnern. Es geht dem Innenministerium doch gar nicht um mögliche gewaltbereite Demonstranten sondern es geht um die Terrorisierung der politischen Gegner des Herrn Schäuble und seiner Folkspartei. Und die SPD wagt in ihrer Ohnmacht in der Großen Koalition noch nicht einmal den Rücktritt dieser Person zu fordern. Was ist aus denen nur geworden? Und dann zu den Kosten des G8-Gipfels. Die sind wirklich der Gipfel. Abgesehen von dieser Festung um Heiligendamm lagern seit Wochen zunehmend viele Polizisten auf Befehl im Land herum und langweilen sich oder drangsalieren Bürger, die sich der Region Heiligendamm - Doberan nur nähern.
Das Üble ist dabei noch, daß die Staatsgewalt (wenn die man auch gewaltfrei agieren würde...) so schrittweise das Gewöhnungsniveau der Einschränkungen der bürgerlichen Freiheiten anhebt. Die beklagt dabei noch die Zunahme extremistischer Gewalttaten und begreift nicht, daß ihre Angriffe gegen die Freiheiten des sogenannten Rechtsstaats die Ursache für zunehmenden Extremismus ist. Ich muß mir einfach wieder mehr Zeit nehmen gegen die Wahl solcher Parteien, die derartig krankhaften Machtmißbrauch propagieren, anzukämpfen.
Wen sollen die CDU-CSU-Wähler dann aber wählen? Die Grünen? Eine Partei, die immer noch für Auslandseinsätze der Bundeswehr einsteht? Es scheint unglaublich, daß wir mal aus einer Antikriegs-Bewegung entstanden sind. Oder die PDS, weil die für einen Rückzug aus Afghanistan ist? Was ich in der letzten Zeit wieder an Kroppzeug in deren Reihen entdeckt habe, die allen Ernstes das Stasi-System der DDR rehabilitieren wollen, mit denen nicht. Man möchte Anarchist werden...

04. Mai 2007: Anfang Mai und ein Vegetationszustand wie Anfang Juni - der Treibhauseffekt schickt seine süßen Seiten gen Norddeutschland voraus. Aber das dicke Ende kommt noch nach! Die Ernte wird sicher magerer als sonst werden - aber dem Gejammer der Bauernschaft messe ich nur wenig Wert bei. Die jammern sogar in guten Jahren. In denen sollten sie als Naturnutzer man immer Rücklagen bilden und nicht die Bestjahre zum Normalen erklären.
Gestern hat übrigens der Landkreis Parchim seinen Flugplatz zum 2,5. Mal an privat verkauft. Nun geht er in chinesische Hand. Und die Stadt Parchim will auch noch Flächen verscherbeln. Der Käufer will 20000 neue Arbeitsplätze schaffen... Ich glaube wir können froh sein, wenn das nachher tatsächlich gerade 500 werden. Überraschend jedoch, daß die Kreistagsmitglieder das Thema Klimawandel, angesichts der Möglichkeit eine große Last los zu werden, blitzartig über Bord geworfen haben - von den Grünen mal abgesehen. Ach, wie klein ist unsere Moral wenn es ans Fressen geht. So überraschend war das also gar nicht.
In Schwerin hat das Filmkunstfest begonnen. Der Wettbewerbsfilm “Du bist nicht allein” mit den Hauptdarstellern Katharina Thalbach, Axel Prahl und Katerina Medvedeva hat mich sehr beeindruckt. Eigentlich ziemlich einfach in der Handlung, aber doch sehr genau beobachtet. Nach so einem Film ist mir immer wieder peinlich, daß diese Hartz IV-Verordnungen unter Rot-Grün entstanden sind. Daran ändert auch nichts, daß die CDU/CSU mitgemacht hat. Die Grünen hätten es verhindern müssen
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19. April 2007: MP Oettinger hat den ehemaligen Ministerpräsidenten von BaWü Filbinger von einigen Flecken auf der Lebensweste befreien wollen und ein Aufschrei durcheilte die Medien. Die Diskussionen in den Betrieben oder an den Stammtischen wurden durch das “Skandal”-Thema kaum berührt. Verwunderlich, daß dennoch die Zeitungen und elektronischen Medien voll davon waren. Das Szenario verlief wie immer in solchen Fällen: der Zentralrat der Juden in Deutschland meldete sich laut zu Wort, die politische Opposition von Oettinger stieß ins Horn und die Medien faßten nach. Wie so oft hatte sich auch bei ihnen der Jagdinstinkt wiedergemeldet. “Kann man durch die mediale Macht einen führenden Politiker abschießen” hieß das mediensportliche Thema. Der Inhalt seines verbalen Fehltritts schien den Journalisten in der Regel egal. Es ging gar nicht mehr um Filbinger - der war ja gestorben, es ging um ein reines Machtspiel zwischen Politik und Medien.
Mir scheinen diese Rituale moralisch verwerflich, weil sie eigentlich mit Geschichtsaufarbeitung nichts zu tun haben, wenn sie dieses auch vorgeben. Wieso sich der Zentralrat zu allem Überfluß und wie so oft zu allem Mist zu Wort meldet und Oettinger offenbar erst wieder als rehabilitiert gilt, wenn von jenen Absolution kommt, zählt zu den genauso absurden Merkwürdigkeiten des Rituals. Und daß diese Absolution dann nahezu als Top-Meldung behandelt wird, bleibt unbegreiflich. Da wären andere eher zu fragen, ob sie die fehlerhaften Partien der Rede von Oettinger entschuldigen.
Wir haben in Deutschland schon eine masochistische Neigung im Umgang mit den Verbrechen des NS-Systems. Selbst Geburtsjahrgänge nach 1945 fühlen sich immer noch irgendwie schuldig oder zumindest verantwortlich für das 3. Reich. Vielleicht auch, aus der Erkenntnis heraus, daß sie - wären sie nur 30 Jahre früher beboren worden - selbst “Heil Hitler” gerufen hätten. Die Angst, daß es ein 4. Reich in Deutschland geben könnte, scheint mir nur zu übertrieben. Wenn es aber nicht schon anderswo nationalistische Diktaturen gibt. Das real Existierende Diktaturen scheinen manchem weniger schlimm, als die fiktive Gefahr, daß ein Neonationalismus in Deutschland an die Macht kommt. Die aktuelle Debatte hat mir erneut bewiesen, wie weit die führenden Politiker in solchen “Fressen und gefressen werden”-Situationen heucheln, um des eigenen Machtanspruchs willen. Das Image dieses Berufsstandes ist kaum noch weiter zu verderben.

28. März 2007: Das Wetter spielt weiter verrückt, allerdings auf seine liebenswerte Art mit Sonne und Frühling. Auch bei uns im Dorf ist das spürbar. Überall wird gewerkelt und sauber gemacht. Niemand vermisst den ausgebliebenen Winter. Die Vögel schon gar nicht. Apropos Vögel: gestern habe ich mit Minister Backhaus sprechen können. Es ging um die weitere Beschneidung möglicher SPA-Flächen (EU-Vogelschutzgebiete) in Mecklenburg-Vorpommern. Der jetzt vorliegende Vorschlag von etwa 29% der Land- und Wasserfläche MVPs soll durchs Kabinett und dann nach Brüssel gehen. Angesichts der Kriterien und der Daten, die die dort schon von uns haben, hat dieser Minimalvorschlag kaum eine Chance der Akzeptanz bei der Europäischen Kommission.
Warum geben sich nur die Regierungspolitiker immer so persönlich gereizt, wenn es um den Naturschutz geht. Natürlich muß es Arbeitsplätze geben, aber dafür gibt es trotz eines modernen Naturschutzes genug Freiflächen. Ich glaube inzwischen keinem Minister mehr, daß ihm die Natur wirklich nahe geht. Es sind doch immer nur die vorgeblichen wirtschaftlichen Zwänge und die Befriedigung der eigenen Lobby und Wählerschaft, die eine Rolle spielen. Und Vögel und Kröten wählen nun mal nicht. Was kann man bloß tun, damit sie einem zuhören und auch nach unseren Visionen handeln? Es scheint nur die Mobilisierung der Öffentlichkeit zu geben, die sie wirklich beeindruckt...

13. März 2007: Der Frühling ist da. Seit drei Tagen fliegen die ersten Kleinen Füchse und auch Hummeln umher. So kann das weitergehen. Zumindest in der Natur. Ich gebe zu, daß der Treibhauseffekt auch seine schönen Seiten hat. Global gesehen ist er eine Katastrophe, in Matzlow wirkt er aber doch lebensqualitäts-steigernd.
Das sieht in der Politik aber doch anders aus. Bei Rot-Schwarz kann einem schon das Grauen kommen, in Berlin wie in Schwerin. Die SPD ist sich aber auch zu nichts zu schade. Wenn ich jetzt also erlebe, daß Ministerchen Backhaus still und heimlich alle Ansätze seines Vorgängers in Manier eines Kommunistenhassers wieder beseitigt, dann kann einem sehr wohl übel werden. So weist Noch-SPD-Chef Backhaus in seinem Ministerium an, daß die Größe und Zahl der Vogelschutzgebiete (SPA) wieder deutlich gesenkt wird. Wenn dies sein Kollege Seidel (CDU) aus dem Wirtschaftsressort machen würde, könnte ich nur “typisch” hauchen. Aber der Obersozi Backhaus benimmt sich wie der Bock, den man zum Naturschutzgärtner gemacht hat. Und wen stört es? Nicht mal die Medien haben in MeckPomm ein Interesse an der kritischen Begleitung der Regierungsarbeit. Einfach nur Speichelleckerei. Ich hoffe nur, daß dies der SPD auf die Füße fällt. Doch wem soll es in den Schoß fallen? Der FDP? Eigentlich sind die Liberalen nichts weiter als eine CDU ligth.
Ich geh jetzt lieber in die Natur raus - das beruhigt und schafft Freude.

20. Februar 2007: Die Debatte um den Klimawandel tobt noch immer. Selbst in der großen Koalition in Berlin gibt es grüne Silberstreifen am Horizont. Unglaublich, aber wünschenswert. Ansonsten ist der Winter immer noch zahnlos. Dank Treibhauseffekt? Egal, es kann so bleiben. Tauwetter soll es ja auch bei den Arbeitsmarktdaten geben. Die Zahl der Arbeitslosen wird bis 2009 auf 3 Millionen fallen. Wenn das mal stimmt. Die statistischen Bereinigungen, demographische Faktoren und Pseudoarbeiten im 1-Euro-Bereich täuschen uns einen größeren Aufschwung vor, als tatsächlich vorhanden. Die Presse in Mecklenburg-Vorpommern ist mit ihren Hurra-Meldungen zur reinen Hofberichterstattung verkommen. Kritische Stimmen werden unterdrückt, manchmal wohl schon im vorauseilenden Gehorsam. Minderheiten kommen kaum zu Wort oder werden verhöhnt. Ich frage mich wirklich, warum ich die SVZ immer noch abonniert habe. Vielleicht wegen der Kreuzworträtsel, wahrscheinlich aber wegen der Parchimer Zeitung-Beilage. Wenigstens aus der eigenen Umgebung sollten die Nachrichten objektiver sein. Aber auch da habe ich manchertags Zweifel. Es kann nur noch aufwärts gehen, oder?

07. Februar 2007: Die Tage sind wieder länger geworden. Man kann bis deutlich nach 17 Uhr draußen wieder was erkennen. Irgendwie liegt ein Duft von Frühling in der Luft. Kann es nicht bald Sommer werden?
Dabei muß ich angesichts des in allen Medien vertretenen Klimawandels wohl gar nicht mehr so lange drauf warten. Ich bin immer noch richtig überrascht, daß dieses Thema so schnell in die Öffentlichkeit geraten ist. Als wenn die Grünen nicht schon seit Jahren darüber wettern. Hoffentlich passiert nun auch was.
Bei Frau Merkel hat dies ja nicht gefruchtet. Irgendwie ist mir diese unmoralische Heuchelei zuwider. Einerseits bekennt sich die Regierung zum Gegensteuern, andererseits haben sie Angst Wählerstimmen der “freien Autofahrer” zu verlieren und reden und handeln diesen zum Munde. Anschaulicher kann ich die Ursachen von Politikverdrossenheit nicht illustrieren. Leider beträgt die Halbwertzeit des bürgerlichen Vergessens nur wenige Monate. Und leider setzen da die Politiker drauf. Manchmal ist es mir peinlich, daß ich selbst mal ein “Hauptamtlicher” war, andererseits hat es Vorteile, ihr heimliches Instrumentarium zu kennen. Wenn viele Menschen wüßten, mit wie wenig Verstand manche Gesetze genäht werden - sie würden das Parlament stürmen. Aber vielleicht will die Mehrheit das ja auch so, einfach nur betrogen werden.

29. Januar 2007: Der Winter dauerte dieses Jahr eine ganze Woche. Klasse, nach meinem Mexiko-Urlaub war mir sowieso nicht nach Kälte. Die Vogelwelt, die ganze Natur war ja schon auf Frühjahr getrimmt. Das kann ja nicht vorbei sein. Andererseits scheint dies ja nun eine Folge mehr des Klimawandels zu sein. Wenn das sogar dem US-Präsidenten in die Reden geschrieben wird, wird wohl was dran sein. Den Grünen war das ja eh klar, aber US-Präsidenten haben bei den Hirnaktivitäten längere Verarbeitungszeiten. Es wird aber auch höchste Zeit mit dem Gegensteuern in der Klimapolitik. Nach dem Schmusekurs der Grünen mit der SPD sind wir ja halboffiziell wieder u unseren Umwelt-Wurzeln zurückgekehrt. Das ist das 3. Mal in den letzten 18 Jahren - so lange bin ich schon dabei. Aber die innerparteiliche Realität sieht da ganz anders aus. Insbesondere Naturschutz spielt da eine eher nachgeordnete Geige. Wer aber steht für eine konsequente Naturschutzpolitik besser da als die Grünen. Da liegt das Problem. Muß ich also doch weiter mitmachen. Vielleicht bewirkt der Klimawandel ja auch bei uns eine bessere Wahrnehmung der Realität und entsprechendes Handeln. Ich sollte auch weniger fliegen...