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Nicht mehr ganz so aktuell

05. Dezember 2010: Ich habe mich gerade ein paar Wochen in Mittelamerika herumgetrieben und gehofft dem Vorweihnachtstrubel zu entgehen. War es aber nicht! Schon Anfang November standen in Costa Rica die ersten Weihnachtsbäume. Natürlich aus Kunststoff und kitschig bunt. Aber so ist das wohl in katholischen Ländchen.
Irgendwie hofft man ja, dass man nach drei Wochen Urlaub nach Hause zurück kommt und die Welt ist in Ordnung, ein wenig jedenfalls. Aber war wieder nichts. Alles wie vorher. Aber dann war da Wikileaks mit seinen geheimen Botschaftsberichten. So daneben lag der US-Botschafter in Deutschland mit seinen Einschätzungen ja gar nicht. Sind halt auch gute Leute im Botschaftspersonal dabei. Andererseits ist das Gegeifer der Betreiber der großen Server albern. Die, die da Wikileaks nicht mehr auf ihren Rechnern dulden wollen, sind alles staatsnahe Arschkriecher. Wenn es Geheimnisse gibt, dann sollten diejenigen, die was zu verbergen haben, diese auch selber schützen. Und die Sorge um Menschenleben von irgendwelchen Informanten sind meines Erachtens sowieso nur vorgeschoben. Bei so einer Masse von Zugriffsberechtigten in den USA, sind die eh gefährdet. Die Amerikaner sind halt Datenschutz-mäßig zu blauäugig in ihrem Nationalismuswahn (das nennen die zwar Patriotismus, aber es bleibt einfach Nationalismus).
Und die Jagd nach dem angeblichen Vergewaltiger Julian Assange ist nun wirklich die Rache des schlechten Verlierers. Die zeitliche Nähe der Vorwürfe so dicht nach dem Geheimnisverrat, machen die Australier und Schweden unglaubwürdig. Die Amis können ja gern versuchen Assange zu bekommen, aber diese Staaten-Kollaborateure sind ekelhaft. Das ist die große Freiheit des Netzes, damit muß man leben.
Ja, und was den Maulwurf im Umfeld von Minister Westerwelle betrifft, kann ich nicht so recht glauben, daß Westerwelle davon nichts gewußt hat. Möglicherweise ist das Bauernopfer jetzt eine abgesprochenen Sache. Früher sind sogar Kanzler zurückgetreten, wenn sich in ihrem Umfeld ein unerkannter Spion befunden hat. Aber so viel Anstand hat Westerwelle nicht.
Bleibt da das ewige Thema Suttgart 21. Ich hatte mir schon gedacht, daß alles andere als ein Baustopp keine Akzeptanz finden würde. Die Staatsarroganz treibt halt den Grünen jetzt die Wähler zu. Na, wenn die bei CDU und FDP das so wollen, gern. Ich bin nur gespannt, ob eine grün-rote Regierung das Projekt dann auch wirklich gestoppt kriegt. In Hamburg ist ja das schwarz-grüne Experiment in die Hose gegangen. Aber dazu mag ich nichts mehr sagen. Die Machtsucht der Hamburger Grünen war mir schon immer suspekt. Ich hätte einer derartigen Koalition nie zugestimmt. So ist mir der schwarz-grün-sympathisierende Jürgen Suhr als Spitzenkandidat der Grünen in MV auch nicht ganz geheuer. Aber evtl. hat er aus der Kritik an seinen Thesen ja gelernt. Die Chancen für einen Einzug der grünen in den Schweriner Landtag sind jedenfalls gut wie nie.

03. November 2010: Bums, und nun hat US-Präsident Obama einen Dämpfer bekommen. Und wer sagt, er habe nichts geschafft in seiner bsiherigen Amtszeit, dem sei das Gesundheitswesen in den USA entgegengehalten. Aber genau hier liegt das Problem der Amerikaner. Sie wollen gar keine Solidarität untereinander. Diese große, einige Nation ist eine Lüge. Die Basis des Miteinanders basiert in den USA auf dem Kampf “Jeder gegen Jeden”. Und dann haben die eine solchen Präsidenten nicht verdient. Allerdings war Obama auch ziemlich vollmundig als er versprach Quantanamo zu schließen, sich aus beiden Kriegen zurück zu ziehen. Die USA bleiben also eine globale Gefahr.
Ansonsten ist es Vollherbst geworden. Sauwetter, Nebel, aber auch farbenprächtige Laubbäume und Sträucher. Im Garten ist nur noch wenig zu tun. Praktisch stehen wir kurz vor Weihnachten. Am vergangenen Sonntag wurde ja auch wieder die Sommerzeit auf Normalzeit umgestellt. Leider nur kurzfristig. Im März 2011 wird der Unfug wieder aktiviert. Ich bin überzeugt davon, daß es ökonomisch eher Schäden macht, die den Gewinn an Lebensqualität der Bürger mehr als zerstört. Ich finde aber auch keinen richtigen Weg, mich gegen die Sommerzeit-Manie aufzulehnen. Viele sind dagegen, aber die meisten nehmen es so hin.
“Stuttgart 21” ist zwar auch noch immer aktuell, aber durch die Schlichter-Gespräche ist da ziemlich viel Dampf heraus genommen worden. Dies war ja wohl auch die Absicht des Runden Tisches. So wird der Widerstand eingelullt und soll sich durch interne Spannungen selbst auffressen. Die Anarchisten sind gezähmt! Ich bin gespannt, ob es da noch ein Neuaufflammen des Protestes kommt. Interessant ist jedoch, daß auch in den Ländern bei den Gesprächen zwischen regierung und Verbänden das Wort vom Stuttgart 21 immer mehr als Drohung auf die Tagesordnung kommt.

06. Oktober 2010: Nun bin ich schon wieder ein Jahr älter geworden, und dann auch noch den 60. Geburtstag. Irgendwie war die Schallmauer zum 50. viel leichter zu nehmen. Innerlich ist mir irgendwie wie 40, allerdings sagt mein Kreuz, daß da doch ein paar Jahre dazu gekommen sind. Egal, ich fühle mich wohl und darauf kommt es an.
Und schon bin ich bei “Stuttgart 21”. Endlich mal was los in der Demokratie. Da behauptet also der Bahnchef Grube, daß nur das was Parlamente entschieden haben rechtens ist. Wäre das so, dann hätten wir noch immer die DDR. Das was in Stuttgart und inzwischen darüber hinaus passiert, ist kein Angriff auf die Demokratie sondern nur ein Attentat auf die parlamentarische Demokratie. Die ist in der Krise und nicht die Demokratie an sich. Diese hat eine Chance zu erblühen. Vorstand Grube hat spät begriffen, daß es dabei auch um seinen Job geht. Und der Ministerpräsident Mappus (CDU) ahnt schon, daß er seinen Posten bald wieder los ist. Da nutzt auch das Jammern nicht: er habe ja nur ein Erbe angetreten. Man kann auch einen Strick erben.
Auch in der Natur ist richtig Bewegung. Die nordischen Gänse ziehen wie wild, Kraniche sind unterwegs. Die Kleinvögel bekommt nur der aufmerksame Beobachter mit, aber auch hier sind es 10-tausende Vögel, die sich auf den Weg in die Winterquartiere gemacht haben. Irgendwie hat jede Jahreszeit ihre besonderen Qualitäten. Heute waren sogar noch massenhaft Libellen unterwegs, 20°C machen es möglich.
Meine Geburtsstadt Parchim hat auch einen heißen Herbst. Der hiesige Flugplatz war schon wieder einige Zeit aus den Schlagzeilen und jetzt geht es wieder mal so richtig los. Überraschend nur, daß dieses Mal ein Christdemokrat meine Fahne schwenkt. Innenminister Lorenz Caffier hat den Landkreis unter besondere Prüfung stellen lassen. Der Kreistag hat auf seinen Antrag dem chinesischen Unternehmer Pang für den Verkauf des Flugplatzes 17 Millionen Euro erlassen - aber jammert über knappe Kassen. Das ist schon ein Unding. Bisher hat Herr Pang ja noch nicht mal einen Bruchteil des Kaufpreises selbst aufgebracht und da werden ihm trotzdem Millionen erlassen. Wir leben schon in einer lustigen Bananenrepublik. Irgendwie habe ich den Eindruck, daß Landrat Iredi das sowieso alles am Hintern vorbei geht. Es ist seine letzte Amtszeit und die endet im Herbst 2011. Schade, daß man einen Kreistag nicht wegen Untreue verklagen kann. Eine Privatperson stände wohl schon vor Gericht. Jetzt wo Volkseigentum zu wirklichem kommunalen Eigentum geworden ist, spielen die Kommunalpolitiker immer noch Sozialismus mit allen Seilschaften. Sauerei.
Ja, was gibt es sonst noch, was mich aufregte? Vielleicht die Rede von Präsidenten Wulff - aber eigentlich hatte die zu wenig Inhalt, als daß man sich aufregen sollte. Der 20. Jahrestag der Wiedervereinigung ist mit viel Getöse auch vorbei gegangen.
Über die Gesundheitsreform rege ich mich beim nächsten Mal auf, sonst werde ich heute noch krank...

09. September 2010: Da hat also ein Mann mit lockerer Zunge namens Sarrazin (noch SPD) etwas geschrieben und auch noch darüber gesprochen, was locker 2/3 der Bevölkerung auch so geschrieben hätten, wenn sie es denn so könnten. Man kann ja über die Art zu schreiben und auch ein paar fachliche Fehler bei Sarrazin diskutieren, nur irgendwie scheint er ja den Nerv der Gesellschaft getroffen zu haben. Und die zerfällt weitgehend in zwei Teile:
Der eine Teil meint, daß alles, was die Deutschen in der bunten Republik in den Mittelpunkt stellen, dicht an Rassismus und Nationalsozialismus heran kommt. Die andere meint, daß man über das “deutsch sein” durchaus ohne Bevormundung und Meinungsverbote sprechen kann und muß. Das ist dem ersteren Teil schon fast so etwas wie Holocaus-Leugnung. Und dem anderen Teil ist die Meinung der Gegenseite praktizierter Welt-Kommunismus. Die meisten haben dabei das Buch von Sarrazin noch nicht einmal gelesen. Zu all dem kommt dann noch eine starke Komponente von Religionsdebatte, insbesondere zum Judentum. Alles in allem eine explosive Mischung - explosiv aber wohl nur im Nachkriegs-Deutschland. Irgendwie scheint mir dieses Verklemmtsein mit der geschichtlichen Verantwortung und ewigen Sühne überholt. Hier muß mehr Freiheit in die Debatte.
Interessant ist in diesem Zusammenhang jedoch die vorauseilende Unterwürfigkeit der Bundesregierung gegenüber dem aggressiv-expansorischen Staat Israel, zumindest aber gegenüber deren Führung. Ich glaube Frau Merkel und Herr de Maiziére würden noch nicht mal was unternehmen, wenn der israelische Siedlungsbau in Sachsen oder Mecklenburg stattfinden würde.
Aber ich will meine Vorbehalte gegenüber der Staatsführung Israels und allen, die deren Politik befürworten, nicht mit der nationalen Debatte um Integration vermischen. Das ist allein schon kompliziert genug. Aber auch bei Sarrazin geht es ja nur indirekt um die Integration. Hinter seinen Thesen der Verfremdung steht ja doch in erster Linie die Frage ob Deutschland durch die Migration um seine nationale Identität und Geschichte gebracht wird (wurde). Hinter der sicher ungenauen Definition der vorgeblichen jüdischen Gene versteckt Sarrazin wohl die Zielvorstellung einer genetisch homogenen Nation. Aber genau so wird zumindest in meinem Bekanntenkreis (und wohl nicht nur dort) diskutiert. Also scheint die zunehmende Zahl von Migranten aber auch der Mangel an Anpassung dieser an das, was die meisten für “deutsch” halten, immer mehr Ängste hervorzurufen. Und das ist deutlich ein Versagen der Politik - von ganz links bis rechts. “Ganz rechts” war und ist politisch gar nicht an der Integration interessiert, sondern eher am Migrationsstopp. Aber auch die Rechten im Bereich der CDU/CSU sahen zumindest in den Chefetagen bei den Einwanderern nur die billigeren Arbeitskräfte. So sind der Aufschrei der politischen Elite, die beabsichtigten Repressalien durch Berufsverbot oder Parteiausschluß gegen deren Kritiker, nichts weiter als die Reaktion derjenigen, die versagt haben und die nun den Spiegel vorgehalten bekommen.
Selbst wenn man Sarrazin nicht in allen Teilen folgen kann, er hat zumindest eine überfällige Debatte initiiert.
Aber nun ist da auch noch Frau Steinbach (CDU, noch?). In einer wohl emotional aufgeheizten Atmosphäre sind ihr wohl die Nerven durchgegangen. Ihre Behauptung, daß Polen schon 1933 mobil gemacht hat, ist mir selbst aus diversen GEO-Epoche-Beiträgen nicht bekannt geworden. Jetzt lese ich erstaunt bei Wikipedia: “Nach der Machtbernahme der Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 mobilisierte die polnische Regierung einen Teil der Streitkräfte, ließ polnische Truppen am 5. März 1933 vertragswidrig auf der Westerplatte im Freistaat Danzig landen und sondierte, ob Frankreich eine Besetzung Oberschlesiens, Ostpreußens und Danzigs unterstützen würde.” Man lernt nie aus...
Andererseits muß ich schon sagen, daß mir von den politischen Eliten (na ja, man sagt zu solchen Leuten halt oft leichtfertig “Eliten”) irgendeine Auseinandersetzung mit dem Thema “Verbrechen der Siegermächte” fehlt. Ich glaube, es sind die gleichen Scheuklappen mit der fehlenden Ehrlichkeit wie in der Migrationsdebatte, die die diversen Parteien das Thema “Vertreibung” totschweigen lassen.
Übrigens brachte der NDR vorgestern einen emotional guten Beitrag zum Völkermord der Türkei gegenüber den Armeniern. Ist dieser Völkermord nun weniger schlimm als der Völkermord gegenüber den Juden oder der in Ruanda? Mord ist immer grausam.

07. August 2010: Man war das bisher ein schöner Sommer . Eigentlich liegen mir Temperaturen über 30°C ja nicht mehr so, aber es war schön, am Morgen zum Frühstück schon auf der Terrasse sitzen zu können. Andererseits war es ganz schön trocken in der Zeit. Unser Ort war zudem bei den ab und an durchziehenden Gewitterfronten vom Pech verfolgt. Mal gingen die Starkregen im Norden vorbei oder zogen südlich durch. Zur Zeit ist alles in meinem grünen Bereich. Auch im Garten steht fast alles zum Besten.
War da noch etwas? Stimmt, die Koalitionsparteien und auch die Opposition hat sich die Sicherungsverwahrung zum Thema gemacht. Das ist auch für mich nicht so einfach zu entscheiden. Zum einen sollte auch ein langjähriger Strafgefangener eine Chance auf die Zukunft haben, zum anderen ist persönliche Sicherheit ein wichtiges Gut. Ich vermute aber mal, daß die bisher freigelassenen Schwerverbrecher nur eine kleinen Bruchteil der potentiellen Schwerverbrecher ausmachen. Bei denen fehlt dann nur noch das erste Mal, bis ihre Eigenart durchbricht. In einem gewissen Sinne ist nachträgliche Sicherungsverwahrung nichts anderes als die Umgehung des Strafrechts. In den Fällen wo keine lebenslange Haft vom Gesetz vorgegeben ist, wird so indirekt doch noch lebenslänglich gegeben. Also zu diesem Thema muß ich noch mal in Ruhe drüber nachdenken.
Und dann ist da noch die Debatte um die Kindergärten, die von NPD-Mitgliedern unterwandert werden könnten. Bei allen Verständnis für eine politisch andere Grundhaltung als die der Rechtsextremen, ist die Diskussion schon fast wieder kurios. Glauben die Protagonisten auf diese Art rechtsextremes Gedankengut verhindern zu können? Selbst in kirchlich geführten Kindergärten kann man nur wenig gegen eine rechte oder auch extrem linke Grundhaltung der Eltern machen. Und ich möchte nicht wissen, wie viele Extremisten schon Erzieher sind. Man wird den Eindruck nicht los, daß ein sexuell mißbrauchender oder sadistischer Pädagoge weniger schlimm ist als ein Nazi. Ich glaube, hier braucht es keine neuen Gesetze. Das mit der Trägerschaft können schon heute die Gemeinden und andere Träger selbst gut entscheiden. Und im Irrtumsfall in beide extremen Richtungen kann man auch eine Zulassung wieder entziehen.
Die Ausweitung der Diskussion (allerdings nur gegen rechts), die von den Linken ausgeht, alle öffentlichen Stellen bis zum Hausmeister vom Vorbehalt einer Gesinnungsprüfung abhängig zu machen, ist wieder so eine Gutmenschen- Debatte, die mich anekelt. Mit extremistischen Positionen setzt man sich inhaltlich auseinander, am besten auch mit denen, die diese vertreten, und nicht mit Berufsverboten. Im Überziehen und “in die Irre laufen” sind wir gut in MV!

08. Juli 2010: Tja, manchmal fordert der Job einen so stark, daß man nicht mal mehr zum Meinungsäußern kommt. Aber nun geht die Brutsaison der Vögel zu Ende und da bleibt wieder mehr Zeit.
Themen gibt es ja genug: Da ist die Wahl des Bundespräsidenten gewesen. Christian Wulff hat gewonnen.
Na und? Beim Machtkampf um die Neuwahl des Köhler-Nachfolgers ging es doch gar nicht um die Funktion des wichtigsten Unwichtigen im Land. Die Auseinandersetzung reduzierte sich - nackt gesehen - nur darauf, ob es die Merkel schafft ihre Truppen beieinander zu halten oder auch nicht. Sie hat es gerade man so geschafft und nun zeigt sich dennoch die Opposition als schlechter Verlierer.
Wie können SPD und Grüne so blöd sein und erwarten, daß die Linken den Linkenhasser Gauck wählen. Die Kommentare nach der Wahl zeigten mir, daß die rotgrüne Opposition eigentlich nur einen Schuldigen suchte, der für ihre eigene Dummheit den Rücken hinhält. Man, ich kenne Gauck ja ein wenig, aber egal wie: ich hätte keinen Menschen zum Präsidenten gewählt, der für die Fortsetzung des Afghanistan-Krieges ist.
Gaucks Wertesystem ist christdemokratisch und protestantisch geprägt. Und machen wir uns auch nichts vor, im ersten Wahlgang haben auch ein paar Grüne ihre Stimme an die linke Kandidatin gegeben. Mir ist jetzt auch klar, warum Claudia Roth die Linke nötigen wollte, sich dem Vorschlag der Rotgrünen unterzuordnen. Die Grünen haben das ja schon ein paar Tage vorher selbst bei der SPD getan. Eigentlich ist der Bundespräsident so unnötig wie ein Kropf. Ein reiner Grüßonkel. Und nun auch noch das landesgrüne Getöne nach einer Direktwahl desselbigen. Prima Plazebo-Handlungen sind das, wenn man keinen Einfluß auf die Tagespolitik hat.
Ach ja, dann war und ist da noch die Fußball-WM in Südafrika. Es ist inzwischen langsam genug damit. Natürlich habe ich auch mit den Mannen um Lahm mitgefiebert. Nur vor der WM haben diejenigen, die heute darüber in Tränen ausbrechen, daß wir das Halbfinale verloren haben, nicht einmal geglaubt, daß wir die Vorrunde überstehen. Und nun sind wir unter den besten vier Mannschaften.
Nichts gegen einen gesunden Nationalismus (als Basis des friedlichen Miteinanders der Nationen), aber so viel “Deutschland, Deutschland über alles... ” geht mir auf den Zeiger. Bei einer Fußball-Weltmeisterschaft zu verlieren ist keine Katastrophe.
Wirkliche Katastrophen macht unsere Regierung selber. 

30. April 2010: Morgen beginnt der “Wonnemonat” Mai. Man, hab ich Sehnsucht nach dem Frühling gehabt. Jetzt wo er da ist, kann ich mich nur dem Rausch dieser großartigen Landschaft Mecklenburgs hingeben. Ich habe gemerkt, daß sich immer wieder ein Blick hinter die Kulissen der Dörfer und Fernverkehrsstraßen lohnt. Oft ist es nur wenige 100 m neben den gewohnten Trassen unsagbar schön. Schade, daß der Mai nur 31 Tage hat.
Aber es gibt auch Schatten in der Landschaft. Da werden die Felder in großem Maßstab immer mehr mit Mais- und Raps-Kulturen zugekleistert. Der ökologische Wert dieser Fluren ist nahezu Null. Nur die Kraniche haben kurze Zeit wenigstens etwas Nahrung. Und dann kommt neben der Grundgüllung auch noch diverser PSM-Einsatz hinzu. Nu Betonieren ist schlimmer. Und dann dieses zunehmende Umbrechen von Grünland. EU, Bundes- und Landesregierung haben die Rahmenbedingungen so versaut, daß sich offenbar die Nahrungsmittel-Produktion nicht mehr lohnt und kein Vieh mehr auf der Weide gehalten werden kann. Die Folge ist ein weiterer Artenrückgang im natürlichen Sektor. Das derzeitige Fördersystem in der Landwirtschaft ist grundsätzlich falsch aufgebaut und ich fürchte die wissen es
Aus der Verantwortung kann kein verantwortlicher Politiker in Deutschland entlassen werden. Nur was heißt hier “verantworten”? Auch dahingehend haben sich die “Bediensteten” und “Ministrablen” eine vorauseilende Immunität gegeben. Ich weiß nicht, ob dies nicht auch Vergehen gegen die Menschlichkeit sind. Ich hoffe wenigstens die Geschichte wird das Urteil über diese Verantwortungslosigkeit fällen. Manch Minister träumt ja vom großen Ruhm, aber der Traum sollte nach hinten losgehen.
Ach so, da werden jetzt sicher auch wieder diverse Menschen auf die Umweltkatastrophe in den USA weisen. Es läßt sich ja so gut auf die Umweltsünden bei den anderen zeigen. Aber dennoch haben wir so viel Dreck vor der eigenen Haustür, daß man das Fingerzeigen schon nach wenigen Metern anderswo gar nicht mehr wahrnimmt.
Krieg mit deutscher Beteiligung ist auch noch aktuell. Irgendwie wird konzertiert mal wieder ein medialer Mantel des Schweigens über diesen Krieg gelegt. Die Medien (alle), die so geil auf die Berichte über die gefallenen Soldaten waren, wollen wohl jetzt keinen Ärger mit den Guttenbergs und Merkels haben. Also wird totgeschwiegen.
Warum sind eigentlich die Aufständischen in Afghanistan die Bösen? Haben die nicht auch ein Recht darauf das Leben in ihrer Heimat ohne die Bevormundung durch die westliche Welt zu gestalten? Wieso will die Führung der NATO und die Bundesregierung ihnen dieses Recht nehmen?

22. März 2010: Barack Obama hat es geschafft! Gut für viele Menschen in den USA.

21. März 2010: Formal gesehen ist jetzt Frühling. Der hat aber in diesem Jahr ziemlich lange auf sich warten lassen. Aber egal, jetzt beginnt die Gartenarbeit, die Natur erwacht noch schneller und die Tage sind wieder länger als die Nächte. Ich mag den Frühling.
Heute ist auch ein großer Tag für US-Präsident Obama. Die Gesundheitsreform in den USA steht in beiden Kammern des US-Parlaments zur Abstimmung. Sollte Obama verlieren, wäre das der Anfang vom Ende seines Kurses. Den Kurs hatte ich mir allerdings auch mal viel moderner ausgemalt, als er es nun geworden ist. Aber gegenüber dem, was seine Vorgänger fabriziert haben, ist er halt der Einäugige unter blinden Präsidenten.
Der Tort mit dem Westerwelle hat auch noch kein Ende. Aber irgendwie verliert er zum Glück auch bei vielen Wählern an Gunst und dann sollte er eigentlich so weitermachen, wie bisher. So geht es gegen 5 % mit den Liberalen, und das ist gut so. Andererseits stärkt das dann die Frau Merkel und ihre wenig christliche Partei. Der Teufel beißt sich halt immer wieder in den eigenen Schwanz.
Ich selbst hatte in den letzten Tagen vor allem mit der Vorbereitung einer literaturwissenschaftlichen Veranstaltung zu Friedrich Griese (www.friedrich-griese.de) zu tun. Es gab sogar Presseberichte im Vorfeld. Überraschend war für mich die darauf folgende Reaktion einiger Linker. Ihr Vorwurf: “Mit Schriftstellern, die im 3. Reich Auszeichnungen bekommen haben, beschäftigt man sich nicht. Deren Werke liest man auch nicht.” Ich finde diese Meinung ideologisch verblendet. Das ist bei den Linken (wenigstens bei der Mehrheit) aber wohl typisch für den Umgang mit Themen um den Nationalsozialismus. Sie definieren sich oft nur durch die Distanzierung vom Hitlerregime. Das ist ja an sich nicht schlecht, reicht aber für den lebenstüchtigen Umgang mit der Tagespolitik nicht aus. Wenn man Griese denn am Zeug flicken will, dann muß man ihn wenigstens lesen - und wenn man dann nur wenig findet, dann bleibt ja noch sein Privatleben. Und siehe da, Friedrich Griese ist ein fehlerbehafteter Mensch wie so viele (von Fehlern ist die Ultra-Linke Jutta Dittfurth aber wohl mal ausgenommen). Um so mehr lohnt es, sich mit einem großen, deutschen Schriftsteller auseinander zu setzen.
Ja, und der FC Hansa Rostock hat mal wieder gewonnen. Aber irgendwie wird mir der Profifußball immer unsympathischer. Da ist zu viel Geld im Spiel und zu wenig Sport.

07. März 2010: Eigentlich müsste man sich ja über den Westerwelle so richtig aufregen, aber was bringt es? Seine überall verkündete Entrüstung über Sozialschmarotzer ist aus meiner Sicht reine Heuchelei und entspringt nur dem Versuch, die FDP aus dem Umfragetief plötzlich zu guten Wahlergebnissen in NRW zu führen. Wenn es nicht auf dem Rücken arbeitswilliger Hartz IV-Empfänger wäre, könnte man darüber fast noch lachen. Sie sind die Mitleidenden von Westerwelles Polemik gegen die wirklich arbeitsscheuen Sozialleistungs-Empfänger. Mein Problem ist nur das, daß ich nicht genau weiß, wie groß der Anteil der schwarzen Schafe in diesem Zusammenhang ist. Ich kenne leider auch eine ganze Reihe von Hartz IV-lern, die vom ALG II zwar nicht in Saus und Braus leben können, aber doch darüber hinaus geregelte Schwarzgeld-Einnahmen haben. Aber egal, der Westerwelle ist auch als Typ so unsympathisch, daß man ihn nicht mögen kann, selbst wenn er die reine Wahrheit sprechen würde.
In Mecklenburg-Vorpommern ist derzeit nicht so viel los. Ich habe mich zwischendurch mal so richtig über die Kormoran-Politik von Minister Backhaus aufgeregt, aber der Minister hat sich ein wenig bewegt, in unsere Richtung. Das reicht zwar noch nicht, aber er bewegt sich doch. Der weiterhin zunehmende Mais- und Raps-Anbau bei uns ist für die Natur verheerend. Dazu kommt der genehmigte Einsatz von Herbiziden und Pestiziden bis auf wenige zig cm an Gewässer heran. Warum kann man nur so brutal mit der Biodiversität umgehen?
Hansa Rostock passt da fast rein, wie eine Faust ins Auge. Man weiß schon gar nicht mehr, ob man noch möchte, daß diese Fußballer den Klassenerhalt schaffen oder nicht. Und es liegt nur selten an den Trainern. Die Spieler selbst sind die Looser. Jetzt werde ich bald nicht nur politikverdrossen sondern auch noch sportverdrossen sein.
Ach ja, und dann sind ja da auch noch die Grünen in MV. Unter Führung von Jürgen Suhr und dem Totalausfall Silke Gajek wittern die Grünen (ich gehöre da ja auch noch zu) für die kommenden Landtagswahl Morgenluft. Und was tun sie? Sie kungeln schon mal vorneweg mit der CDU. So dumm kann man doch gar nicht sein. Da in der Politik ja doch nichts geheim bleibt, wird diese politische Eitelkeit schon noch genug Wähler vergrämen, so daß es bei den Landtagswahlen wieder nicht für die 5 % reicht. Sinnvoller scheinen mir da Gespräche mit der SPD und den Linken, aber doch auch erst dann, wenn man das Bärenfell erlegt hat.

10. Januar 2010: Das ist also mal wieder richtig Winter geworden. Das hätte man angesichts des Klimawandels fast gar nicht mehr geglaubt, aber ist statistisch dennoch normal. So werden aber meine Erinnerungen an den letzten Urlaub viel intensiver als bei Meisengesang im Januar. Die herbstliche Afrikareise war schon irgendwie Spitze. Auf jeden Fall ein Erlebnis für Naturfreunde.
Ja, Weihnachten und Neujahr habe ich überlebt. Es ging streßfreier ab als gedacht. Die Gewichtszunahme von gut 1 kg habe ich fast wieder weg, aber das kann nur der Anfang sein. Da sind ja auch noch ein paar Pfund aus den Jahren zuvor. Und die müssen weg - natürlich nur, damit ich wieder Reserven für die nächsten Feiertage habe. Aber was soll das Gejaule? Ich fühle mich ja ganz wohl und dann soll das auch so aussehen.
Was aber mistig aussieht ist diese frischsterbende Berliner Koalition. Flitterwochen sehen anders aus. CDU und FDP haben einfach zu unterschiedliche Vorstellungen von einer glücklichen Ehe. Die Farblosigkeit des Gatten Westerwelle wird nur noch durch die Handlungsunfähigkeit der Braut Merkel übertroffen. Aber die sollen ruhig so weitermachen. Das ist dann eine Chance für die Opposition in den Ländern. Nicht nur für Seitensprünge, aber für die Stärkung der eigenen Potenz. Irgendwen müssen die Leute ja wählen.
Die Parlamentarier-Demokratie ist eine Perversion der eigentlichen Demokratie. Ich bin nur gespannt wie lange dies noch gut geht. Und wie sich die Spannung zur neuen Qualität löst. Der Wechsel kann aber auch noch 15-20 Jahre dauern. Die Deutschen sind leidensfähig.